Anlässlich der Einführung unseres neuen Farbtons Saddle beschäftigt sich die Autorin und Farbexpertin Kassia St Clair mit den Chamäleon-Eigenschaften von Brauntönen.
„Ein gutes Gemälde sollte, wie eine gute Geige, braun sein.“ Diese Meinung vertrat Sir George Beaumont, ein Amateurkünstler des 19. Jahrhunderts, eine Bastion des konservativen Geschmacks und Schlüsselfigur bei der Gründung der National Gallery.
Kulturell gesehen sind Brauntöne Chamäleons und daher schwer zu fassen. Für Beaumont beispielsweise stand Braun für gutes Urteilsvermögen. Es repräsentierte etwas Solides statt Auffälliges, eine Tiefe, die mit dem Alter erworben wurde, einen Appell an handwerkliche Traditionen. Einige Jahrzehnte später, in den 1890er Jahren, wurden dunkle Brauntöne mit Vornehmheit und Luxus in Verbindung gebracht – eine Assoziation, die im Design des etwa zur selben Zeit gegründeten Unternehmens UPS weiterlebt. Als diese Farbe in den 1970er Jahren erneut in aller Munde war, hatte sich ihre Bedeutung erneut verschoben. Wer in Schildpatt, gebranntem Orange und Senfgelb dekorierte, signalisierte damit seine Verbundenheit mit der Natur, eine gewisse Spiritualität und sogar Respekt vor der Erde selbst.
Stil ist natürlich zyklisch. Daher überrascht es wenig, dass nach einigen mageren Jahren, in denen sich die Menschen mit Hellbraun, Rehbraun, Beige, Kamel und – wenn nötig – Café au Lait begnügten, sattere, tiefere Farbtöne wieder im Kommen sind. Doch unsere Einstellung zu dunklen Brauntönen hat sich weiterentwickelt. Zum einen gewinnen die Assoziationen, die frühere Generationen an Braun anzogen – die Festigkeit, die Verbundenheit zur Erde und der handwerkliche Charakter – im digitalen Zeitalter an Tiefe und Bedeutung. Zum anderen ist klar, dass unsere Beziehung zu Braun dieses Mal eine zutiefst sinnliche Angelegenheit sein wird. Es ist beispielsweise kein Zufall, dass so viele beliebte Farbtöne nach den Annehmlichkeiten des Lebens benannt sind: Walnuss, Schokolade, Mokka, Kaffee, Zimt, Mahagoni. Farbtöne, die unsere Sinne ansprechen.
Das neue Sattelbraun ist wunderschön anzusehen: tief und satt, ohne gelbbraun zu wirken, mit genügend Weichheit, um ihm eine ruhige Ausstrahlung zu verleihen. Es hat aber auch eine besondere Anziehungskraft auf die Sinne und erinnert an den süßen, moschusartigen Duft von Leder. Für manche mag es an Ställe mit ihrem Geruch nach Heu und Pferden erinnern; für andere mag es die warme Kuschelatmosphäre einer geliebten Lederjacke heraufbeschwören; oder den besonderen Geruch, den man wahrnimmt, wenn man ein Geschäft betritt, das Schuhe und Taschen verkauft. Es ist eine Farbe, die unaufdringlich verführt. Sie erinnert an Tradition, ohne stickig zu wirken. Und natürlich eine, die die Sinne anspricht. Wir können mit Sicherheit sagen, dass Sir George Beaumont
habe es geliebt.